Profil der Fakultät "Management & Performance"

Ich sehe eine Fakultät, die Management aus der kulturwissenschaftlichen Perspektive der Performanz betrachtet und daher multidisziplinär und wissenschaftsintegrierend vorgeht. Performanz wird hier als Managementkonzept begriffen und aus unterschiedlichen Blickrichtungen – z. B. soziologisch, ästhetisch oder ethisch – beleuchtet. Ich stelle mir vor, dass hier die Begriffe von "Raum" und "Inszenierung" als Ausprägungen der Performanz verstanden werden und zum Ausgangspunkt für wissenschaftliche Untersuchungen werden.

Die Fakultät "Management & Performance" der Karlshochschule nähert sich dem Themenfeld Management und Organisation aus der Perspektive des "performative turn", der die Kultur- und Sozialwissenschaften nachhaltig geprägt hat. Mit der Hinwendung zum Begriff Performance bzw. Performativität ist die Frage verbunden, wie soziale und kulturelle Phänomene, Entitäten sowie Ideen und Handlungspraktiken entstehen, produziert, reproduziert und vor allem transformiert werden. Dabei lässt sich durch den Begriff und eine Beobachung von Performanzen eine interdependente Verbindung zwischen Mikro- und Makroebenen in der theoretischen und empirischen Forschung leisten. Eine "performative" Betrachtungsweise kann zeigen, wie soziale, organisationale und gesellschaftliche Phänomene und Strukturen gleichzeitig individuelle Handlungen und Vollzüge prägen und durch diese hervorgebracht, beeinflusst, realisiert sowie ggf. verändert werden.

Diese Perspektive bewährt sich auch in der Management- und Organisationsforschung. Der kulturwissenschaftlichen Ausrichtung der Karlshochschule folgend, wird Führung als Praxis, die sozio-kulturell in Organisationen und deren performativen Kontexte und Praktiken eingebettet und bestimmt ist, verstanden. Es gibt kein Management und keine Organisation unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Realisation in Aufführungen und deren materiellen und leiblich-sinnlichen Manifestationen. Was führen und organisieren ist und bedeutet wird somit immer wieder auf ein Neues performativ von Akteuren kreativ oder ko-kreativ erzeugt, gestaltet und transformiert. Zugleich sind Organisationen und ihr Management aber auch immer wieder geformt von und ausgerichtet auf historische und materielle Strukturen sowie situative Bedingtheiten und Prozesse.

Organisationen und deren Management sind performative "Gesamtkunstwerke", deren expressive Magie sich im Augenblick ihrer performativen Realisation zeigt.

Performance im Management- und Organisationskontext sehen wir als ein Konzept und eine Praxis, dem wir uns multiperspektivisch und mit einer Vielfalt von Methoden annähern und grundlegend theoretisch wie anwendungsorientiert untersuchen. Dabei wird das traditionelle instrumentelle Verständnis der "Performance" von seiner quantitativen Ausrichtung und Leistungsmessung bzw. -bewertung befreit und für eine qualitative Perspektive fruchtbar gemacht. Innerhalb dieses Rahmens eröffnet die Erforschung von Management und Organisation, unter der Perspektive der Performance, innovative Möglichkeiten, auch weitere Beobachtungskategorien der "cultural turns" zu integrieren. Diese umfassen z.B. Fragen nach Raum, Leiblichkeit bzw. Verkörperung, Sinnlichkeit und Sinn, (performative sense-making), (Sozio-)Materialität, Medialität, Narrativität, Skript, Ereignis, Prozessualität, Liminalität, Improvisation, Kreativität, Expressivität, Gedächtnis, Erinnerung, Imagination oder Transformation.