Dyslexia Initiative

Die Dyslexia-Initiative ist eine studentische Interessengruppe, die sich dafür einsetzt, dass die Karlshochschule zu einer akademischen Inklusionseinrichtung für Menschen mit Lernbehinderungen wird.

Die große Zahl internationaler Studierender an der Karlshochschule hat gezeigt, dass Deutschland in Sachen inklusives Lernen eher rückständig ist. Andere Länder haben eine weitaus bessere Bildungsdidaktik und Ressourcen, die für Menschen mit einer Lernbehinderung zur Verfügung stehen. Deutschland hat zwar bereits Gesetze für eine inklusivere Bildung verabschiedet, aber die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Deshalb setzen wir uns als Initiative für ein besseres Lernumfeld ein und haben fünf Ziele formuliert:

  • Standardisierte Beantragung von Hilfsmitteln für Prüfungen
  • Durchführung von Bildungsveranstaltungen für die Universität
  • Änderung der Lehrmethoden für den Sprachunterricht
  • Zugang zu digitalen Hilfsmitteln gewähren
  • Zusammenarbeit mit anderen Universitäten und Interessenverbänden

Lernbehinderungen äußern sich dadurch, dass sie die Art und Weise verändern, wie Menschen Informationen wahrnehmen und verstehen. Das bedeutet, dass eine Person mit einer Lernbehinderung, wie z. B. Legasthenie, möglicherweise einen anderen Weg zur gewünschten Lösung gehen muss als den, der als Standard gilt. Die Betonung liegt hier auf Standardverfahren, da Schüler mit Lernbehinderungen aufgrund ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse beim Verstehen von Informationen Vorurteile haben können. Unser derzeitiges Verständnis von "normalem" Lernen lässt diese Bedürfnisse nicht zu. Daher sollten wir hinterfragen, was "normales" Lernen ersetzt und wie wir es als Gesellschaft erweitern können, um mehr Inklusion zu fördern. Wir als studentische Interessenvertretung wollen nicht lernbehinderte Schüler unterstützen, sondern die Unterrichtsmethoden ändern. Jeder Schüler soll seine Stärken nutzen können.

Das deutsche Bildungssystem hält Menschen mit Lernschwierigkeiten aus Scham leider systematisch davon ab, ein Hochschulstudium zu absolvieren. Deshalb müssen wir daran arbeiten, das Stigma der Lernbehinderung zu beseitigen und alle Studierenden zu befähigen, ihre Chance zu nutzen! Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, den Dozenten ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie sich Lernbehinderungen äußern, und ihnen besser geeignete Lehrmittel an die Hand zu geben. Auf diese Weise können die Studierenden besser lernen.

Persönliches Statement eines Studenten über Legasthenie im deutschen Bildungssystem:

"Im deutschen System, in dem ich aufgewachsen bin, gibt es ein viel größeres Stigma in Bezug auf Lernbehinderungen, zum Beispiel bei Legasthenie. Das mag internationale Studierende überraschen, die aus einem Land kommen, in dem sie Zugang zu Hilfsmitteln haben, die für Lernbehinderungen entwickelt wurden. Lehrer und vor allem Menschen der älteren Generation bezeichnen diese Schüler schnell als faul oder gar einfältig. Vor allem zu meiner Zeit war das Bildungssystem nicht auf Schüler mit Lernbehinderungen zugeschnitten, da wir nach der Grundschule nach unserem dreigliedrigen Bildungskonzept aufgeteilt wurden. Dieses basierte auf Noten und teilte die Schüler in Hauptschule, Realschule und schließlich Gymnasium ein. Letzteres war schwieriger zu erreichen, da die meisten Noten mit einer intensiven Konzentration auf Schreibprüfungen erworben wurden. Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung konnten sich als fatal für das Erreichen guter Noten erweisen.

Außerdem verfestigte sich der Glaube, dass Schüler mit Legasthenie der Aufgabe einfach geistig nicht gewachsen waren. Einige Lehrer nahmen es sogar auf sich, meiner Mutter mitzuteilen, dass ich nicht auf das Gymnasium gehen dürfe, da ich Legasthenie habe und deshalb nicht fähig genug sei. Dieses Schicksal ist nicht auf Legasthenie beschränkt, sondern trifft alle Schüler mit Lernschwierigkeiten. Die einzige Unterstützung, die ich im deutschen Bildungssystem je erhielt, war mehr Zeit, aber da meine Behinderung keine Pause zulässt, ist das fast nutzlos. Das System hat sich seitdem leicht verändert, aber nicht deutlich genug und vor allem nicht, um Schüler mit Lernbehinderungen zu unterstützen."